Nationalpark Belluno in den Dolomiten

»Tiere und Natur regulieren sich selbst«

Der Nationalpark Belluno in den Dolomiten wurde ins Leben gerufen, um ein außergewöhnliches Naturerbe zu bewahren. Es gibt hier eine ganze Welt von Naturschönheiten zu entdecken: Berge und aufregende Täler, seltene und wunderschöne Blumen genauso wie eine Vielzahl kleiner und großer Tiere. Gemeinsam formen Tiere und Pflanzen einen Schatz biodiverser Lebensgemeinschaften, der es wert ist, für weitere Generationen bewahrt zu werden - und den es sich lohnt, zu besuchen.
Der Nationalpark Belluno in den Dolomiten erstreckt sich über eine Fläche von 32.000 Hektar Hoch- und Mittelgebirge, mit zahlreichen Zonen von unbestrittenem naturkundlichem Interesse.


Die wichtigsten Tierarten sind Huftiere, unter denen die Gämse am bedeutendsten ist (die Population wird auf über 2.000 Exemplare geschätzt), weiterhin Rehe und Rothirsche sowie Mufflons. Ebenso kommen im Nationalpark vor: Hasen, Füchse, Dachse, Hermeline, Wiesel, Steinmarder, Eichhörnchen, Igel, Kleinsäuger.
Greifvögel gibt es hier in großer Zahl. Mindestens fünf Goldadlerpaare brüten in Felswänden. Weiterhin gibt es Auerhühner, Haselhühner, Schwarzhühner und Schneehühner. Der seltene Alpensalamander sowie eine Vielzahl an Fröschen und Kröten sind ebenfalls erwähnenswert. Besucher sollten keine Angst haben vor Aspisvipern, sie greifen nicht an, es sei denn, sie würden provoziert.
Der Nationalpark Dolomiten ist im Westen vom Cismon Tal und im Osten vom Fluss Piave begrenzt. Er umfasst die Gipfel rings um Feltre, die Berge Cimonega und Pizzocco, die Monti (Berge) del Sole bis zum Cordevole Tal, die Berge Schiara, Serva und Talvena, und letzlich Pramper und Mezzodì im Gebiet von Forno di Zoldo.
Forno di Zoldo ist ein ausgezeichneter Ausgangspunkt für Erkundungen dieses Naturparadieses, denn die Straße durch das Pramper-Tal hinauf ist eine der wenigen befahrbaren Straßen der ganzen Gegend und auch die einzige, die eine leichte Zufahrt zum nord-östlichen Sektor des Parks gestattet.

Interview mit Enrico Vetorazzo, Pressesprecher des Nationalparks

Freiheit für Tiere:
Wir haben gehört, dass im Nationalpark der Dolomiten Jagdvebot besteht.

Enrico Vettorazzo: Das ist so. In Italien wird in keinem Nationalpark gejagt. Das Gesetz über die Jagd in den Schutzgebieten Italiens verbietet die Jagd in allen Nationalparks.

Freiheit für Tiere: Und wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Jagdverbot? Gibt es irgendwelche Probleme? Verbeißen Ihnen die Rehe nicht die Bäume?

Enrico Vettorazzo: Nein, bei uns funktioniert es gut. Es gibt keine Probleme mit den Huftieren und es gibt keine Schäden an der Vegetation. Es gab Studien über die Möglichkeit, dass Kompetitionsprobleme zwischen Steinböcken und Mufflons entstehen könnte, aber es sind keine besondere Probleme aufgetreten. Nein, nein, im Gegenteil.

Freiheit für Tiere: Bei uns sagt man: Wenn Füchse nicht gejagt würde, dann würden sie alle kleinen Tiere auffressen, die Hasen, Rebhühner usw. Stimmt das nicht?

Enrico Vettorazzo: Nein, nein. Mit dem Fuchs gibt es keine Probleme, weder bei uns noch in den anderen Nationalparks in Italien. Auch nicht mit dem Luchs und dem Bär, die aus Jugoslawien zugewandert sind. Wölfe gibt es bei uns noch nicht.

Freiheit für Tiere: Können Sie also sagen, dass sich die Natur von selbst reguliert?

Enrico Vettorazzo: Nach unserer Erfahrung ja. Tiere und Natur regulieren sich selbst. Im Nationalpark Dolomiten gibt es seit 1990 keine Jagd. Aber auch davor schon gab es hier in den Dolomiten Naturgebiete, die dem Staat gehörten und in denen die Jagd nicht gestattet war. Diese betrugen ca. die Hälfte von der ganzen Fläche des heutigen Nationalparks, also 16.000 von 32.000 Hektar. In diesen Gebieten ist die Jagd schon seit den siebziger Jahren nicht erlaubt.

Kontakt und Information:
Parco Nazionale Dolomiti Bellunes, Piazzale Zancanaro 1, 32032 Feltre (BL), Italien
Tel. 0039- (0)-439-3328, Fax 0039- (0)-439-332999
www.dolomitipark.it
(Seiten in italienisch, englisch, deutsch)
e-mail: direttore@dolomitipark.it


(Quelle: Magazin »Freiheit für Tiere« 1/2004)

»Hier sind Jagd und Fischen verboten«

Von Bianka Pelli

Da wir schon seit längerem aktive Tierschützer sind, haben wir uns in diesem
Sommerurlaub ein Ziel ausgewählt, das in Norditalien (nördliche Dolomiten) liegt, und zwar den Belluno - Nationalpark.


Und dies aus gutem Grund: Zum einem liegt dieser Nationalpark in der Heimat meines lieben Schwiegervaters, und zum anderem feiert der Nationalpark sein 10jähriges Bestehen und dies heißt: seit genau 10 Jahren wird dort nicht mehr gejagt!

Unsere erste Wanderung führt uns durch ein Gebiet in der Nähe östlich von Belluno. Schon auf dem Weg nach oben entdecken wir immer wieder Schilder, auf denen steht: »Jagen, Fischen und Weiden verboten.«
Urplötzlich und unverhofft steht auf einmal, kaum 20 Meter vor uns, eine prächtige Gämse. Natürlich vermuten wir, da sie genauso überrascht war wie wir, dass sie sofort flüchten würde. Aber weit gefehlt!

Die Tiere haben durch das Ruhen der Jagd ihre Scheu verloren und wir sind überglücklich, dies erleben zu dürfen.

Dieses wunderschöne Tier ist eigentlich eher empört über unseren »Besuch« und gibt mehrere merkwürdige »Pfeiftöne« von sich, die wir in unserem Leben noch nie zuvor gehört hatten. Aha. Nun wissen wir endlich, wie sich eine Gämse ausdrückt, wenn ihr etwas nicht passt.
Gute 2 Minuten »schimpft« sie mit uns. Dann springt sie - gar nicht hektisch - ein Stück weiter ins Gebüsch, um uns von dort aus weiterhin zu beobachten. Unser Hund ist genauso verdutzt wie wir. Ähnliche Situationen erleben wir noch an drei weiteren Stellen, von denen aus uns die Gämsen jeweils beobachten und warnend »peifen«.Im unbejagten Nationalpark gibt es keine Schäden an der Vegetation durch Huftiere.

Das Jagdverbot wird genau überwacht

Wie das Jagdverbot im Nationalpark gesichert wird, erfahren wir zwei Tage später, während einer Bergwanderung. Nichtsahnend wandern wir gemeinsam mit unserem Hund Richtung Berggipfel, als plötzlich hinter uns ein Jeep auftaucht. Zwei Männer in Forstkleidung sind die Insassen. Sie halten an und ermahnen uns freundlich, unseren Hund nicht von der Leine zu lassen. Mit freundlichem Gruß fahren sie anschließend weiter.
Mein italienischer Schwiegervater erklärt uns anschließend, dass diese Forstpolizisten immer und überall sein könnten. Mehrfach habe er sie schon beobachtet, wie sie zu Fuß einen Felsen erkletterten, um sich darauf mit ihrem Fernglas niederzulassen, um Wanderer besser beobachten zu können. Nicht nur das Jagen und Fischen ist hier verboten, sondern auch das Pflücken der Pflanzen und das Verlassen der Wege.Schilder im Nationalpark Dolomiten: »Naturschutzgebiet - Verbot von Jagd und Fischerei«. Das Verbot wird von der Forstaufsicht strengstens überwacht. (Bild: Pelli)

Nun möchte ich Sie, liebe Leser einmal fragen, wer hier in Deutschland auf unsere Restnatur aufpasst? Und wer kontrolliert die Jäger? - Niemand!

Die Weidmänner sind ihre eigenen »Aufpasser«, und deswegen führen sie sich auch auf wie die Herren im Wald, die Herren über Leben und Tod.
Und wer meint, dass die deutschen Jäger wenigstens Halt machen vor Naturschutzgebieten, hat weit gefehlt.
Trotz der Mahnungen aus eigenen Reihen (z. B. Ökologischer Jagdverein), werden ökologische Zusammenhänge einfach ignoriert, zum Wohle des Jagdvergnügens.
In unserer Heimat am Bodensee mussten wir feststellen, dass sich 80 % der Waidmänner in unserem nähren und weiteren Umfeld nicht an die bestehenden Fütterungsgesetze von Wild halten. Darüberhinaus können wir von verbotenen Fallen und Wildtierkörperentsorgungen einiges berichten.

Es wird Zeit, dass wir auch in Deutschland eine Wald- und Wildschutzpolizei bekommen!»

Wir haben keine Probleme mit dem Fuchs. Die Natur reguliert sich selbst!«, sagt Enrico Vetorazzo.

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